Der 14. Dalai-Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, ist außerhalb Chinas der vielleicht populärste Religionsführer überhaupt. Außerdem ist er Friedensnobelpreisträger und bereits zu Lebzeiten eine Legende. Wenn Freiheit Glück ist, müsste das Oberhaupt des Tibetischen Buddhismus eigentlich Trauer tragen. Seine Heimat ist besetzt, sein Volk unterdrückt, er selbst lebt im indischen Exil. Die Geschichte Tibets und vor allem die Person des Dalai Lama ziehen bis heute die Weltöffentlichkeit in ihren Bann. Immer wieder scheiterte der Dialog zwischen dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter und der chinesischen Führung über einen Autonomiestatus Tibets. So zeigte sich 1988 der Dalai Lama bereit, Chinas Oberherrschaft für ein Maximum an innerer Autonomie anzuerkennen, doch antichinesische Unruhen in Tibet, die 1989 zur Verhängung des Kriegsrechts führten, verhinderten über Jahre die Gespräche. Und doch strahlt der Mann immer, als habe er eben im Lotto gewonnen. Wie macht er das?

Warum erscheinen uns arme Menschen oft glücklicher als reiche? Muss eine Gesellschaft auf dem Weg in eine moderne Zukunft seine Traditionen verlieren? Wie begegnet man Gewalt als Jemand, der Gewalt ablehnt? Können wir unsere Umwelt retten? Nur einige der Fragen, die der amerikanische Filmemacher Rick Ray dem Dalai Lama vor laufender Kamera in einer Audienz in seiner Residenz in Dharamsala stellen konnte. Die Antworten des Dalai Lama sprechen von seiner außergewöhnlichen Weisheit und dem klugen Humor der höchsten weltlichen und religiösen Autorität des buddhistischen Tibet. Ray zeigt aber auch bisher unbekanntes Filmmaterial über das Leben des Dalai Lama und das Leben in Tibet von heute. So entstand ein umfassendes, bereits mehrfach preisgekröntes Porträt eines Mannes, der sich selbst als "einfachen buddhistischen Mönch - nicht mehr, nicht weniger" bezeichnet.

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