Das Ehepaar Rinko und Shigehiko führt eine Musterehe. Sie sind seit Jahren glücklich verheiratet, finanziell geht es ihnen gut, einzig Shigehikos Sauberkeitstick lastet ein wenig auf Rinko. Die beiden lieben sich auch nach Jahren noch, obwohl sie nicht miteinander schlafen. Doch an einem verregneten Junitag ändert sich Rinkos Leben schlagartig: Sie erhält einen anonymen Brief mit Fotos, die sie bei der Selbstbefriedigung zeigen. Doch damit nicht genug. Kurz Zeit später ruft sie ein Unbekannter an und fordert sie zu exhibitionistischen Spielchen auf. Schließlich willigt sie verstört in die obskuren Forderungen des Unbekannten ein, der sonst die Fotos an ihren Mann schicken will. Die folgenden Spielchen erfüllen Rinko bald mit einer Mischung aus Demütigung und Lust - spiegeln sie doch ihre geheimen sexuellen Fantasien wieder, die der Unbekannte nun lebendig werden lässt. Und dann nimmt der Erpresser auch noch mit Shigehiko Kontakt auf...

Nichts für schwache Gemüter ist diese Regiearbeit des japanischen Regisseurs, Drehbuchautors und Kameramanns Shinya Tsukamoto, der bereits in seiner Jugend mit 8mm-Amateurfilmen experimentierte und 1989 mit der aggressiven Bildgestaltung seines Kurzfilms "Tetsuo" weltweit bekannt wurde. In "A Snake of June" beschreibt Tsukamoto in hervorragenden, mitunter surrealistischen atmosphärisch dichten Schwarzweiß-Bildern - oder eher Blauweiß-Bildern - die Geschichte eines Ehepaars, das zwar glücklich zusammenlebt, sich aber nicht mehr viel zu sagen hat. Für Tsukamoto ist dies symtomatisch für die moderne Industriegesellschaft mit ihren Abgründen, die er hier explizit vorführt und damit den Zuschauer fast in die Rolle des Vouyeurs drängt. Als wäre man selbst der Erpesser, der die überzeugend aufspielende Asuka Kurosawa zu immer neuen sexuellen Spielchen nötigt. "A Snake Of June" gewann 2002 in Venedig den Spezialpreis der Jury.

Foto: RapidEyeMovies