Während das China des 21. Jahrhunderts ganz im Zeichen der Globalisierung und des rasenden Industriewachstums steht, leidet die Bevölkerung mehr und mehr. So ist etwa der Minenarbeiter Dahai von seinen korrupten Bossen angewidert und probt den Aufstand. Als der nicht fruchtet, greift er zur Waffe. Auch der Wanderarbeiter Zhou San schiebt großen Frust und gelangt schließlich durch einen todbringenden Überfall an eine große Summe Geldes. Derweil muss sich Xiao Yu, die junge Rezeptionistin eines Massage-Klubs, die ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hat, gegen brutale sexuelle Übergriffe eines Gastes erwehren, während der noch jugendliche Arbeiter Xiao Hui erkennt, dass für sein Leben keinerlei Besserung in Sicht ist und er schließlich eine Verzweiflungstat begeht ...

Zugegeben, nicht alle Episoden dieser skurrilen Bestandsaufnahme der Kehrseiten des modernen Chinas sind gleichermaßen stark. Doch eines wird schnell klar: in einer Zeit, in der Geld und Machtgier mehr zählt als sozial verträgliches Verhalten, kann es keine Hoffnung geben. Im Gegenteil, Existenzängste, Wut und Verzweiflung treiben eine Spirale der Gewalt nur an. Regisseur Jia Zhang-ke hätte allerdings gut daran getan, sich auf vielleicht zwei Geschichten zu konzentrieren. Denn dann wäre durch stärkere Verdichtung wohl ein Meisterwerk dabei herausgekommen. So hat er einen modernen Episoden-Western geschaffen, dessen Genialität zumindest ab und an aufblitzt. In Cannes bekam das Werk immerhin den Preis für das beste Drehbuch.



Foto: Rapid Eye Movies