Dürre, lang gezogene Figuren, oft verloren auf einem Sockel stehend, sind sein Markenzeichen. Der zuverlässigste Kompass zur Erforschung von Alberto Giacomettis (1901-1966) Kunst- und Lebenswelt findet sich bei Giacometti selbst, denn sein Leben lang hat der Künstler auch geschrieben: Reflexionen, tagebuchartige Skizzen, Erinnerungen. Giacomettis Schriften ermöglichen es, dem Maler, Plastiker und Zeichner beim Denken und Phantasieren zuzuschauen, und geben die Bildmotive des Films vor - ruhige, malerische Aufnahmen aus dem heimatlichen Bergell und kontrastierende Großstadtbilder, die wiederum einen visuellen Rahmen für sein plastisches, malerisches und zeichnerisches Werk schaffen.

Dokumentarfilmer Heinz Bütler drehte anhand von Tagebüchern und literarischen Skizzen das Porträt eines Mannes, der zu den größten und eigenwilligsten Künstlern des 20. Jahrhunderts zählt. Der aus der italienischen Schweiz stammende Giacometti gründete in Paris gemeinsam mit seinem Bruder Diego ein eigenes Atelier. In seiner Frühphase stark beeinflusst von primitiver Kunst, wurde Giacometti als Maler und Bildhauer lange Zeit den Surrealisten zugerechnet, wandte sich aber dann wieder der gegenständlichen Darstellung zu. Seine berühmten Skulpturen spiegeln die Einsamkeit der menschlichen Existenz wider. Einen weiteren Einblick in Leben und Werk Giacomettis gewähren die Erinnerungen seiner Freunde, Künstlerkollegen und Familienangehörigen, die in ihrer Summe ein Porträt im Sinne des Künstlers schaffen - mosaikartig und fragmentarisch.

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