Die "Annelie" ist ein Zufluchtsort für gescheiterte Existenzen. In der einstigen Pension quartiert die Stadt München Menschen ein, die Gesellschaft und Staat längst abgeschrieben haben. Kleinkriminelle, Alkoholiker, Junkies - sie sollen sich und ihr Leben dort selbst organisieren. Max zum Beispiel, ein ehemaliger Kinderstar, der seine Heroin-Sucht nicht in den Griff bekommt und dessen Liaison zu der verheirateten Provinz-Schönheit Gabi den Bach herunter geht. Sie betreibt im Untergeschoss der "Annelie" einen Swingerclub. Oder die Spätzünder-Transe Laura, Günis "heißer Feger", die für die Analphabeten im Haus Schreiben aufsetzt. Yogi, Kiosk-Besitzer und Fan der Band "Kiss", versucht währenddessen eine Karte für das Konzert der Kult-Band zu ergattern. Doch nicht nur sein Plan, sondern auch das gesamte Wohnprojekt ist zum Scheitern verurteilt ...

Regisseur Antej Farac gibt mit diesem fiktiven, zum Teil skurril-grotesken Dokumentarfilm sein Spielfilmdebüt. Fünf Monate blieben ihm für die Produktion - das Drehbuch hatte er nach drei Wochen fertig - ehe die "Annelie" 2012 endgültig abgerissen wurde. Er selbst wohnte jahrelang gegenüber der Wohneinrichtung und erlebte die täglichen Dramen unmittelbar mit. Diese nahm er zur Vorlage und vermischte dokumentarisches mit fiktivem. Dass aus Laiendarstellern bestehende und von der Straße weg gecastete Ensemble ergänzen die Schauspieler Renate Muhri, Irène Fritschi und Georg Friedrich. Letzterer stand bereits vor Ulrich Seidls Kamera. In den Filmen des Österreichers wie "Hundstage" und "Import Export" sind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion fließend - in Faracs Film geraten sie oftmals ins Stocken. Von Seidls Arbeit kann sich Antej Farac daher noch eine Menge abgucken. Ansonsten ist es manchmal besser, sich zwischen reiner Dokumentation oder purer Fiktion zu entscheiden.



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