Während Elizabeth I. mit strengem Regiment die Geschicke des britischen Empires lenkt, sorgen Theaterstücke, in denen das Intrigenspiel des Adels mit erstaunlicher Kenntnis bloß gestellt werden, vor allem in der Oberschicht für Aufsehen. Da die Autorenschaft der Stücke anonym ist, will man wissen, wer hinter den bissigen Abbildern der Aristokratie steckt. Doch Edward de Vere, Graf von Oxford, denkt nicht daran, sich der Öffentlichkeit zu stellen. So fragt er den Schreiberling Ben Jonson, ob der gegen Geld nicht behaupten könne, die Stücke geschrieben zu haben. Als nach einer gelungenen Aufführung das Publikum erneut nach dem Autor ruft und Jonson zu sehr zögert, nutzt der schauspielernde Emporkömmling William Shakespeare die Gunst der Stunde. Während Shakespeare im Ruhm badet, geht das finstere Macht- und Intrigenspiel am Hofe munter weiter ...

Es wundert schon, dass hinter diesem exzellenten Werk, das gekonnt Fakten und Fiktion vermischt, kein Geringerer als Action-Regisseur Roland Emmerich steckt. Mit diesem Wunschprojekt ist ihm ein brillantes Meisterwerk fernab der ansonsten für ihn typischen tumben Action gelungen. Ein Kostümdrama, dass sich intelligent, meisterhaft und überaus virtuos mit der Urheberschaft der Shakespeare-Texte befasst und dabei die unter großen Teilen der Shakespeare-Kenner vertretenen These vertritt, dass Edward de Vere der Autor der Texte gewesen ist. Darüber hinaus beschwört er das elisabethanische Zeitalter herauf, schafft mit starkem Dekor und prunkvollen Kostümen eine dichte Atmosphäre jener Zeit und lässt vor allem auch die vielen politischen Querelen nicht außen vor. Kurz: Grandiose Unterhaltung, die 2012 mit dem deutschen Filmpreis in den Kategorien beste Kamera/Bildgestaltung, bester Schnitt, bestes Kostümbild, bestes Szenenbild, bestes Maskenbild und beste Tongestaltung prämiert wurde. Sebastian Krawinkel ("Anonymus")!

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Foto: Sony