Man schreibt das Jahr 2154. Jake Sully war ein Vorzeige-Soldat. Doch seit einer Verletzung sitzt er im Rollstuhl. Dann unterbreitet man ihm ein seltsames Angebot: Er soll an einem Projekt auf dem weit entfernten Planeten Pandora teilnehmen. Der Planet bietet reichlich Rohstoffe, die sich auch auf der von Energiekrisen gebeutelten Erde nutzen lassen. Einziges Problem: Menschen können dort nicht atmen. So nimmt Scully an einem Experiment teil, das ihn durch genetische Injektion selbst zu einem Hybrid aus Mensch und Na’vi, so nennen sich die Einwohner Pandoras, macht. Als Avatar - so heißen jene Mischwesen - getarnt, kann Scully jetzt wieder im Vollbesitz seiner körperlichen Fähigkeiten den wunderbaren Planeten in all seiner Farbenpracht erforschen und herausfinden, wie man den faszinierenden Regenwald für die Menschheit ausbeuten kann. Dann trifft er allerdings auf die reizende Na’vi-Frau Neytiri ...

Zugegeben: Die Erwartungen an diese Arbeit von Regisseur James Cameron waren sehr hoch. In technischer Hinsicht ist ihm mit diesem wüsten Mix aus Sciencefiction, Fantasy und Abenteuer mit etwas Liebesschmalz ein überaus bemerkenswertes Produkt gelungen, das ein neues Kinozeitalter einläuten soll und an dem es eigentlich kaum etwas auszusetzen gibt: Via Computer wurden faszinierende Welten geschaffen, die man so einfach noch nicht gesehen hat und an eine Mischung aus Disneys Feenwelten und "Jurassic Park" erinnern. Der mythologische Überbau der Geschichte um die Na'vis, jene Ureinwohner des Planeten Pandora, die im Einklang mit der Natur leben und deren Existenz durch die Menschheit und deren unstillbaren Durst nach dem Rohstoff Unobtainium bedroht ist, weist natürlich absichtlich auf die Regenwald-Indianer unserer Welt hin. Auch wenn die Öko-Botschaft durchaus lobenswert ist, die müde Story, die lediglich wie ein Abklatsch eines Jungen-Abenteuers daher kommt, hat man schon tausendfach gehört - aber so noch nicht gesehen. Was bleibt: Der faszinierend-brillante Look der Computerwelten und die außergewöhnlich gute Motion-Capture-Technik können die Schwächen der Story und einige Dummbrot-Dialoge (manchmal gar unfreiwillig komisch) nicht völlig kaschieren. In der 3D-Fassung kommen einige Spezial-Effekte noch besser zum Tragen, sind aber nicht zwangsläufig notwendig, zumal fast drei Stunden mit der Brille auf der Nase wenig angenehm sind. Fazit: Hätte Cameron – wie so oft – nicht die Probleme mit dem Geschichtenerzählen, wir hätten es tatsächlich mit einem Jahrhundertwerk zu tun. So ist es lediglich ein beeindruckender Bilderrausch, der 2010 mit den Golden Globes als bester Film und für die beste Regie ausgezeichnet wurde und schon nach wenigen Wochen Camerons eigenes Werk "Titanic" vom Thron des kommerziell erfolgreichsten Films aller Zeiten stieß. Darüber hinaus war "Avatar" für neun Oscars nominiert, erhielt allerdings nur drei (Spezialeffekte, Kamera, Ausstattung).

Am 2. September 2010 startete "Avatar" in einer erweiterten Fassung erneut in den Kinos, doch selbst für Fans dürfte nur schwer zu erkennen sein, wo sich die acht Minuten an zusätzlichem Material, das eingefügt wurde, verstecken. Hier scheint es also eher um reine Geldmacherei zu gehen!



Foto: Fox