40 Jahre lang bereiste der Schweizer Industrielle Marcel Cellier mit seiner Frau Catherine die Länder Osteuropas und entdeckte deren langjährige, folkloristische Musiktradition. Seit 1950 reisten die beiden immer wieder hinter den Eisernen Vorhang, Marcel nahm die Musik auf, Catherine hielt ihre gemeinsamen Eindrücke im Bild fest. Schon bald entwickelte sich Cellier zum Spezialisten, so machte er etwa den Panflötenvirtuosen Gheorghe Zamfir im Westen bekannt, 1990 gewann er den begehrten Emmy als Produzent des Albums "Le Mystere des Voix Bulgares, Vol. II", das er unter anderem mit dem Frauenchor des bulgarischen Staatsfernsehens einspielte. Daneben moderierte Cellier gleich zwei Radiosendungen in der Schweiz, in denen er die von ihm entdeckten Musiker vorstellte.

Der renommierte Schweizer Filmemacher Stefan Schwietert ("Heimatklänge", "Accordion Tribe") begibt sich auf die Spuren des Schweizer Ehepaars und dokumentiert mit den zeitgenössischen Bildern von Catherine Cellier die abenteuerlichen musikalischen Reisen der beiden. Gespräche mit seinen Protagonisten sollen als Leitfaden für die Bilder dienen, die Schwietert im heutigen Bulgarien einfing. Doch ob der Materialfülle verliert Schwietert die Celliers ein wenig aus den Augen, oft konzentriert er sich auf Fragestellungen wie die Beziehung der volkstümlichen Musik zum sozialistischen Staat. Darüber hinaus traf der Filmemacher die Protagonisten aus Celliers sehenswerten historischen Aufnahmen, so etwa Gheorghe Zamfir, der sich bereits vor langer Zeit aus finanziellen Gründen mit seinem einstigen Förderer zerstritten hat. Das wird jedoch nicht weiter hinterfragt, ebenso wenig wie die Gewinne, die die Celliers mit ihren musikalischen Osteuropa-Passion erzielt haben dürften.



Foto: Ventura