China 1971, Maos Kulturrevolution hat schon einiges an Schärfe verloren, doch die Universitäten sind noch geschlossen. Nach Abschluss der Oberschule werden der 17-jährige Ma und der 18-jährige Luo wie viele andere junge Städter zur Umerziehung durch die revolutionären Bauern aufs Land geschickt. Nach einiger Zeit harter Feldarbeit gibt ihnen der Dorfvorsteher den Auftrag, sich in der Kreisstadt einen Film anzusehen um ihn anschließend den Dorfbewohnern zu erzählen. Die erzählte Filmvorführung wird ein voller Erfolg, auch im Nachbarort hört man davon. Dort verlieben sich die beiden in die Enkelin des alten Schneiders, die immer neue Geschichten von ihnen hören will. Woher aber immer neue Geschichten nehmen, wenn alle literarischen Bücher verboten sind?

"Balzac und die kleine chinesische Schneiderin" spielt vor einer fantastischen chinesischen Landschaftskulisse und ist eine poetische und bewegende Dreiecksgeschichte, die ihren großen Nachhall aus der Frage zieht, welche Rolle Literatur für unser Leben spielt. Durch das Nacherzählen von Filmen und Romanen gewinnen zwei junge Männer das Herz einer jungen Frau - ohne zu ahnen, welche Veränderungen sie damit herbeiführen. Regisseur Dai Sijie ("Die Tochter des chinesischen Gärtners) verfilmte hier seinen satirischen und autobiographischen Schelmenroman, den er zum Schluss hin erheblich erweitert und aktuelle Bezüge einfließen lässt. Deshalb ist es kein Wunder, dass der Film in China nach wie vor unter Verschluss gehalten wird.

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