Die Taktik ist perfide: Eritreische Flüchtlinge werden von Beduinen im Sinai an der Grenze zwischen Ägypten und Israel gekidnappt und in Camps gefangen gehalten. Man drückt ihnen ein Handy in die Hand, und während sie gefoltert werden, müssen die Opfer bei ihren Verwandten anrufen, die es nach Israel geschafft haben, um von ihnen hohe Lösegeldsummen zu erpressen. Seit Jahren bringt die aus Eritrea stammende Journalistin Meron Estefanos in ihrem populären Online-Radioprogramm die Geschichten ihrer Landsleute von Stockholm aus an die Öffentlichkeit. Sie telefoniert mit den Gefangenen, hilft den Angehörigen, Vermisste zu finden und Lösegeld aufzutreiben. Dabei ist sie sich des Dilemmas völlig bewusst: Jede Lösegeldzahlung bestätigt das erpresserische System der Kidnapper. Doch es ist schwierig, politische Hilfe zu organisieren: "Wenn man in Schweden einen Hund oder eine Katze tötet, kommt man ins Gefängnis. Doch wenn im Sinai Hunderte Eritreer zu Tode gefoltert werden, schaut die Welt weg." Ein schier unerträglicher Zustand. In ihrem beeindruckenden Dokumentarfilm begleitet die israelische Regisseurin Keren Shayo die Journalistin Meron Estefanos bei ihrem unermüdlichen Kampf und bei ihrer ersten Reise nach Israel und in den Sinai, zu den Menschen, die sie bislang nur vom Telefon kennt. Tausende von Eritreern versuchen auf der im Westen wenig bekannten Flüchtlingsroute von Ostafrika über den Sinai ins Gelobte Land zu gelangen - eine Hoffnung, die für viele in den Fängen von Organhändlern oder in den Foltercamps endet. "Sound of Torture - Bei Anruf Folter" ist ein bewegender Film zwischen Mut und Verzweiflung. Im Juni 2014 wurde er vor der UN, vor Mitgliedern der Europäischen Parlaments und der Knesset gezeigt. Seit Eritrea 1993 die Unabhängigkeit erlangte, ist das Land eine Militärdiktatur. In den letzten zehn Jahren haben mehr als 100.000 Eritreer ihre Heimat verlassen. Seit Europa seine Grenzen 2006 geschlossen hat, fliehen immer mehr Eritreer über den Sinai nach Israel.