Die Frage der Einheit und der Freiheit der Deutschen stellt sich in den Neunzigerjahren des 20. Jahrhunderts wie damals, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die "deutsche Frage" auf der Tagesordnung der europäischen Politik stand. Der Traum eines einheitlichen Deutschland war im Winter 1870/71 in greifbare Nähe gerückt.

Tom Toelle ("Das Millionenspiel", "Der Trinker") zeichnet in seiner Trilogie nach, wie der Reichsgründer Otto von Bismarck seine Vorstellungen von der Reichseinheit durchsetzte. Anders als Wolfgang Liebeneiners Bismarck versteht Toelle seine Arbeit als Annäherung an eine historische Figur, an den Menschen und den Politiker. Sie vermittelt Einblicke in die inneren Zirkel der Macht und der damaligen Willensbildung und zeigt die zentralen Begebenheiten auf dem mühsamen Weg zur deutschen Einheit in drei verschiedenen Lebensphasen Bismarcks. Im 1. Teil "Ich bin ein Preuße" wird dargestellt, was der 34-jährige Abgeordnete Bismarck von den Einheits- und Freiheitsbestrebungen der Revolution von 1848/49 hielt, und wie er sich dem preußischen Königshaus gegenüber unentbehrlich zu machen versuchte. Im 2. Teil "Eisen und Blut" gelingt dem 47-jährigen Gesandten der politische Durchbruch: 1862 wird er preußischer Ministerpräsident. Im 3. Teil "Virtuose der Macht" erreicht er 1871 sein politisches Ziel - die Reichsgründung. Der 56-jährige Bundeskanzler (des Norddeutschen Bundes) und preußische Ministerpräsident wird Kanzler des Deutschen Reiches. Der Zuschauer kann das damalige politische Geschehen gleichsam als Augenzeuge miterleben. Vor allem der jungen Generation wollte Toelle mit seinem Werk der Zugang zu einem wichtigen Abschnitt der deutschen Geschichte vermitteln.

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