Kiki, Tochter einer psychisch kranken Mutter, wurde von ihrer Großmutter aufgezogen. Für Liebe und Anerkennung war wenig Platz - und wenn, dann war es die Mutter, die alle Zuwendung auf sich zog. Mit 30 durchlebt die orientierungslose und verunsicherte junge Frau eine Zeit voller Exzesse: Sex mit wechselnden Partnern und Alkohol. Kiki fühlt sich "unsichtbar", ihr ganzes Verhalten ist ein Schrei nach Anerkennung. Ihre Mutter lebt mittlerweile in einer geschlossenen Anstalt und kann die Tochter kaum noch wahrnehmen. Neben der Großmutter - und einem treuen Hund - ist ihr Literaturdozent Tchéky, mit dem sie eine erotische Beziehung hat, die einzige Bezugsperson. Das Verhältnis zu dem verheirateten Mann verunsichert Kiki allerdings zusätzlich. Doch die junge Frau ist entschlossen, aus dem Teufelskreis von Bindungsangst, Enttäuschungen und der unerfüllbar scheinenden Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit auszubrechen ...

Traumatische Erlebnisse, mangelnde Zuwendung, chaotische Familienverhältnisse - wer als Kind unter diesen Umständen leidet, der kann einen psychische Krankheit wie etwa eine Borderline-Persönlichkeitsstörung davon tragen. Dieser Thematik hat sich Regisseurin Lyne Charlebois in ihrem provokanten und mehrfach preisgekrönten Psychodrama - gleichzeitig ihr Langfilm-Debüt - nach dem autobiografischen Roman von Marie-Sissi Labrèche angenommen. In der Rolle der wilden wie verzweifelten Kiki überzeugt die aus Quebec stammende Charakterdarstellerin Isabelle Blais ("Frauenhandel - Kampf gegen das Kartell", "Die Invasion der Barbaren") in einem mitunter recht freizügigen Auftritt.

Foto: ZDF/Pierre Dury