Ziellos irrt er umher. Mittellos. Ausgebrannt. Nur Diener Camille hält ihm auf der Reise durch Südeuropa die Treue. Giacomo Girolamo Casanova, größter Herzensbrecher aller Zeiten, scheint am Ende zu sein, da ihm die Rückkehr ins heimatliche Venedig verwehrt wird. Der Rat der 10 - sozusagen Regierung und Einwohnermeldeamt in einem - hat dem Lebemann einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. In seiner größten Not stößt der alternde Bonvivant auf seinen Freund Olivo, dem er vor Zeiten einen Dienst erwiesen hatte. Der revanchiert sich prompt und gewährt Casanova Wohnrecht auf seinem Herrensitz. Doch Casanova wäre nicht Casanova, würde er sich nicht für die Damen des Hauses interessieren. Besonders Marcolina, die Nichte des Hausherrn, hat es Casanova angetan. Je mehr ihm das junge Ding die kalte Schulter zeigt, desto leidenschaftlicher das Liebeswerben des alten Schwerenöters.

Ein (Liebes-)Leben wie geschaffen für den Film und so verwundert es nicht, dass beispielsweise auch schon Donald Sutherland, Norman McLeod, Marcello Mastroianni, Stefano Accorsi und Heath Ledger in die Rolle des Herzensbrechers schlüpften. In Edouard Niermans Film spielt Stoneface Alain Delon den größten Liebhaber aller Zeiten in seiner letzten Lebensphase. Delon, der es auf dem Höhepunkt seiner Karriere selbst mit der Ausstrahlung und dem Charme eines echten Casanova aufnehmen konnte, zeigt in seinem 76. Film die Müdigkeit, die verzweifelte Besessenheit der Werbung und die Angst vor Einsamkeit und Tod hinter der Fassade des strahlenden Charmeurs. Nicht die historische Figur des Frauenhelden, sondern deren subtile Interpretation in der 1918 erschienenen Novelle "Casanovas Heimfahrt" des österreichischen Dichters Arthur Schnitzler (1862-1931) hat Regisseur Niermans übrigens zu "seinem" Casanova inspiriert.

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