Während die siebenjährige Tochter von Paul und Vera alle Mühe hat, sich als Contergan geschädigtes Mädchen zu behaupten, ist die Gerichtsverhandlung in vollem Gange. Geschickt spielt Naumann auf Zeit und hofft auf eine Verjährung. Das quälend lange Gerichtsverfahren lässt auch Pauls Ehe nicht unbeschadet. Der Alltag mit der behinderten Tochter ist eine schwere Belastung, und außerdem führen die Meinungsverschiedenheiten der Eheleute über die Art der Prozessführung am Ende zur vorübergehenden Trennung. Während Paul unermüdlich für eine akzeptable außergerichtliche Einigung seiner Mandanten kämpft und sich Vera aufopferungsvoll für ihre stigmatisierte Tochter stark macht, regt sich bei Naumanns Mandanten langsam Widerstand gegen dessen juristische Taktik.

Adolf Winkelmann ("Das Leuchten der Sterne") bietet einen zwar fiktiven, emotionsgeladenen, aber exemplarischen Abriss jener Ereignisse, die seinerzeit die Republik erschüttern. Noch heute leiden die Betroffenen an den Spätfolgen. Die Fakten des Zweiteilers (1. Teil: "Contergan - Eine einzige Tablette") stimmen, die Schauspieler sind stark, das Zeitkolorit ist stimmig und die Geschichte fesselt von Beginn an. Zynismus am Rande: "Contergan"-Hersteller Grünenthal versuchte die Ausstrahlung massiv zu verhindern, zahlreiche Gerichte wurden bemüht, dann allerdings einigte man sich auf außergerichtlichem Wege. "Contergan" wurde 2008 mit dem Deutschen Fernsehpreis als bester Film ausgezeichnet.

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