Joseph Goebbels (1847-1945) war der einzige NS-Minister, der im Bunker bei seinem "Führer" bis zum letzten Moment ausharrte. "In dem Delirium von Verrat", das den "Führer" umgebe, müsse es wenigstens einige geben, "die bedingungslos und bis zum Tode zu ihm halten," schreibt er in einem Nachtrag zu Hitlers politischem Testament. Keine Einsicht, keine Reue angesichts des Untergangs und der Verbrechen - stattdessen die theatralische Selbststilisierung zum treuen und konsequenten Gefolgsmann Hitlers. Ohne Hitler ist Joseph Goebbels nicht zu denken. Hitler bestimmte seine Karriere, er machte ihn zum Gauleiter Berlins und zum Propagandachef des "Dritten Reiches". Hitler traf die Entscheidungen, Goebbels propagierte sie massenwirksam in den Medien. Lüge und Diffamierung, Einschüchterung und Drohung, Demütigung und Hass waren dabei seine schärfsten Waffen - ein Weltanschauungskrieger, den auch millionenfacher Mord nicht schreckte.

Lutz Hachmeister ("Schleyer - Eine deutsche Geschichte") und Michael Kloft zeigen in "Das Goebbels-Experiment" erstmals in einer abendfüllenden Kino-Dokumentation, wie sich Goebbels von seinen Anfängen als radikaler "völkischer Sozialist" bis zum Selbstmord mit Frau und Kindern ständig neu inszenierte und erfand. Der Film bringt den Zuschauern die Karriere eines modernen Medien-Politikers dabei auf ungewöhnliche Weise nahe. Die Filmemacher verzichteten auf jeden Kommentar, nur Goebbels selbst spricht aus seinen Tagebüchern, die er von 1924 bis 1945 ununterbrochen und exzessiv führte. So entsteht das faszinierende Psychogramm eines Mannes, der hochtourig zwischen Weltschmerz, Wehleidigkeit, Vernichtungswut und politischer Extase hin-und herschwankte. Ein Experiment in Sachen Stilisierung und Manipulation, das er nicht nur mit der Öffentlichkeit vollführte, sondern auch mit sich selbst so war der Täter sein eigenes und erstes Opfer.

Foto: Salzgeber