1929 wurde er Reichsführer SS, 1936 Chef der deutschen Polizei, 1939 Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, 1943 Reichsminister des Inneren: Heinrich Himmler, einer der treuesten Vasallen Adolf Hitlers. Am 4. Oktober 1943 hielt Himmler in Posen vor 92 SS-Generälen eine lange Rede gehalten. Diese geheim gehaltene Rede ist eines der wichtigsten Dokumente des Nationalsozialismus und eines der "erschreckendsten Zeugnisse deutscher Sprache"(Joachim C. Fest). Die vollständige Rede, aus der gemeinhin nur wenige Zitate benutzt werden, ist einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt.

Der kompromisslose, unkommentierte Dokumentarfilm von Romuald Karmakar ("Der Totmacher") macht sie öffentlich und benutzt dafür den vollständigen Wortlaut der Wachsplatten, mit denen sie aufgezeichnet wurde (im Unterschied zum erhaltenen aber korrigierten Protokoll dieser Aufzeichnung). Der Rückgriff auf den Originalton erlaubt auch die Einbeziehung der Reaktionen und Kommentare der Zuhörer. Wie geht der Film mit der Vorlage um? Man blickt in das bekannte und freundliche Gesicht von Manfred Zapatka, der die ungeheuerlichsten Dinge vorträgt. Auffällig gemacht wird das Wahnsystem eines Mannes, der ohne Übergang vom kalten Vollstreckerton zu exaltierter Schwärmerei wechselt, von nüchternem Konstatieren angehäufter Macht zu mystischer Blut- und Schicksalsgläubigkeit. Eines der aufschlussreichsten und schrecklichsten Dokumente, in denen einer der führenden Nazi-Verbrecher ohne Rücksicht auf "falsches" Publikum brutal zur Sache kommt: Krieg, Rassismus, Völkermord und das unfassbare Selbstverständnis der Mörder. Ein neuer und nützlicher Zugang zu deutscher Vergangenheit.