Das filmische Porträt zum 20. Todestag (5. Mai 2009) des 1989 verstorbenen Schauspielers Wolfgang Neuss zeigt Lebensstationen des Mannes auf, der sich am Ende des Zweiten Weltkriegs selbst verstümmelte, um den Kriegsgrauen zu entgehen. Später wurde er Kabarettist und als "Mann mit der Pauke" sogar Filmstar im Deutschland der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit. Doch in späteren Jahren verlor Neuss viele Sympathien, als er etwa Dieter Borsche als Halstuch-Mörder des gleichnamigen Straßenfegers vorab entlarvte. Schließlich avancierte Neuss krankheitsbedingt zum Haschrebell, der auch mal den Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker auf den Arm nahm.

Filmisch wenig bemerkenswert zeichnet Rüdiger Daniel das Bild eines clownesken Querdenkers. Dabei nutzte er vor allem auch das Material, dass Daniel am 2. Mai 1989, also drei Tage vor Neuss’ Tod, noch selbst in dessen Wohnung in der Lohmeyerstraße in Berlin-Charlottenburg drehte. Darüber hinaus befragte Daniel Freunde, die Schwester, die Geliebte und Zeitzeugen über Neuss und schuf so ein rundum stimmiges Bild jenen Mannes, der vom kaspernden Liebling der Nation Ende der Sechzigerjahre zum selbsternannten Kommunisten wurde und schließlich zum ungeliebten Haschrebellen, zum zahnlosen "Ungeheuer von Loch Neuss" mutierte.

Foto: Dibsfilm (Real Fiction)