Im tiefen Winter findet ein Jäger in einem abgelegenen Waldstück in Japan die Mumie eines etwa 40-jährigen Mannes. Aufgrund der minutiösen Aufzeichnung des Toten stellt sich heraus, dass sich der Mann im vorher gegangenen Sommer mit einer Plastikfolie, ein paar Kerzen und einem Radio in den Wald zurückgezogen hat, um sich zu Tode zu hungern.

Der Fall, der in den japanischen Medien für einiges Aufsehen sorgte, inspirierte den Autor und Theaterregisseur Shimada Masahiko zu seinem Text "Miira ni naru made" (Bis ich zur Mumie werde), der 1990 erstmals in einem Magazin veröffentlicht wurde. Masahiko schilderte in einem dramatischen Monolog, der auf dem gefundenen Tagebuch des Toten beruht, den sich über 62 Tage lang hinziehenden Hungertod des Mannes. 2009 nahm sich der Schweizer Filmemacher Peter Liechti Masahikos Vorlage an und drehte diesen irritierenden, mehrfach ausgezeichneten Dokumentarfilm als Mix aus Literaturverfilmung, filmischen Essay und Experimentalfilm. Mit teilweise wunderbaren Bildern, die zum Off-Kommentar über die Leinwand rauschen, entsteht so ein Film über den Sinn des Lebens, das Leben an sich und über das, was jeden Menschen erwartet: der Tod. Allerdings fragt man sich, wer sich ein derart schwer zugängliches Werk im Kino anschauen soll.

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