Die Lagunenstadt Venedig ist ein Mythos: Weltweit gilt die alte Handelsmetropole mit ihrem morbiden Charme als touristisches Traumziel schlechthin. Regisseure wie Luchino Visconti ("Tod in Venedig") oder Nicolas Roeg ("Wenn die Gondeln Trauer tragen") setzen ihr filmische Denkmäler, doch heute hat das bekannte Thomas-Mann-Zitat "Venedig sehen und sterben" einen bitteren Beigeschmack. Denn immer mehr Venezianer verlassen den historischen Stadtkern. Heute leben nur noch 58000 Menschen in der schönsten Stadt der Welt, viele alte Gemäuer, sogar ganze Viertel stehen leer, längst ist die Innenstadt zu einer Ware des internationalen Massentourismus geworden. Rund 20 Millionen Besucher zählt Venedig im Jahr, das sind 60000 am Tag, Tendenz weiter steigend ...

Der aus Bozen stammende Filmemacher Andreas Pichler beschäftigt sich in seiner bitteren Bestandsaufnahme mit dem Ausverkauf der weltberühmten Lagunenstadt, die abends - wenn die Tagestouristen abgereist sind - zur Geisterstadt wird. Die Jugend zieht weg, die Alten allerdings bleiben, sofern sie die Mieten noch bezahlen können. Die Stadt ist längst zur Kulisse geworden - für Touristen und reiche Immobilienspekulanten. Während Carlo Mazzacurati 2010 in seinem Dokumentarfilm "6 x Venedig" zeigte, dass die Venezianer haben mehr zu bieten, als das allgegenwärtige Tourismus-Image, weist Pichler auf die erschreckenden und fundamentalen Folgen hin, die der ungezähmte Touristenstrom für Venedig haben könnte. Dies untermauert er in Interviews mit Einheimischen, die aus unterschiedlichen Perspektiven vom Niedergang ihrer Lagune erzählen.



Foto: RealFiction