Eine alte Dame (Elisabeth Flickenschildt, Foto mit Hans Mahnke) kehrt nach Jahrzehnten in ihr Heimatdorf zurück, um sich zu rächen. In ihrer Jugend ist sie von Herrn Ill verführt und - nachdem dieser einen Meineid geleistet hat - mit ihrem Kind im Stich gelassen worden. Darauf war sie ins Ausland gegangen und hatte durch den Einsatz ihrer Schönheit etliche Gatten gewinnen können, denen sie ihren Reichtum zu verdanken hat. Als Claire Zachanassian kehrt sie in ihren Heimatort Güllen zurück. Der Besuch der alten Dame wird zu einer unbehaglichen Sensation, als sie dem Städtchen ein verlockend großes Geldgeschenk unter der Bedingung anbietet, dass sie damit die Gerechtigkeit erkaufen kann: die Rache an dem treulosen Liebhaber Ill. Eine Milliarde für Güllen, wenn jemand Ill tötet. Zunächst lehnt man das Angebot entrüstet ab, dann aber deutelt man so lange an den Begriff der Moral herum, bis man im Interesse Güllens von der Notwendigkeit und Moral des Mordes überzeugt ist ...

Mit seiner tragischen Komödie, die 1956 in Zürich uraufgeführt wurde, gelang dem Schweizer Literaten Friedrich Dürrenmatt (1921-1990, "Tod im kalten Morgenlicht", "Es geschah am helllichten Tag", "Das Versprechen") ein Welterfolg. Drei Jahre später inszenierte Regisseur Ludwig Cremer diese Fernsehfassung, für das Dürrenmatt selbst das Drehbuch lieferte. Dürrenmatt spielte hier wie in seinen Theaterstücken mit dem Element der Verfremdung zu zeigt eindrucksvoll, dass sich mit Geld scheinbar alles kaufen lässt - sogar Moral und subjektive Gerechtigkeit. In der Hauptrolle mit die berühmte Theater- und Filmschauspielerin Elisabeth Flickenschildt (1905-1977) in einer ihrer besten Rollen zu sehen. Sie blieb allerdings nicht die einige Darstellerin, die in die Rolle des vermögenden Racheengels schlüpfte: Maria Schell verkörperte sie in Max Peter Ammanns Schweizer Adaption und in Nikolaus Leytners deutsch-österreichischer Der Besuch der alten Dame brillierte Christiane Hörbiger.

Foto: ZDF/SWR/Castagne