Auf dem Heimweg nach einer Tanzveranstaltung wird die 35-jährige Judith von ihrem Tanzpartner vergewaltigt. Auf Anraten ihres Anwalts Valentin Stein erstattet sie Anzeige gegen den Mann. Doch die zerstörerischen Folgen der Vergewaltigung dringen sukzessive in ihr Leben: Die Gedanken an die Tat und eine gerechte Strafe für den Täter nehmen unweigerlich immer mehr Raum ein. Das Verhältnis zum eigenen Körper bekommt Brüche genauso wie die Beziehung zu ihrem langjährigen Freund Georg. Als durch eine Falschaussage des Täters, eines angesehen Arztes und Familienvaters, Judiths Hoffnung auf einen Prozess stirbt, verfolgt sie auf eigene Faust ihr Ziel, für Gerechtigkeit zu sorgen. Sie beobachtet den Täter, forciert Begegnungen mit ihm und seiner Familie. Um ihr seelisches Gleichgewicht kämpfend, geht Judith einen ungewöhnlich radikalen Weg, um die Schuld des Täters zu beweisen ...

Regisseurin Brigitte Bertele und Autorin Johanna Stuttmann, die bereits das Drama "Nacht vor Augen" miteinander realisierten, erzählen schnörkellos und sehr konsequent, welche psychischen und lebenspraktischen Konsequenzen eine Vergewaltigung für das Opfer hat. Die Gratwanderung zwischen einer detailgenauen psychologischen Fallstudie und einem Psychothriller, an dem der Zuschauer mit großer Spannung teilnimmt, ist ihnen dabei - besonders durch das mitreißende Spiel von Hauptdarstellerin Maja Schöne - eindringlich geglückt. Schöne wurde für ihre bravouröse darstellerische Leistung 2011 auf dem Filmfest von Oldenburg mit dem German Independence Award geehrt.

Foto: SWR/Produktion Hartwig König