Algerien, 1959: Der Unabhängigkeitskrieg gegen die französischen Kolonialherren wird von beiden Seiten mit unerbittlicher Brutalität geführt. Der französische Lieutenant Terrien, neu im Land und idealistischer Humanist, versucht, das Mitgefühl auch für die Leiden der Gegner nicht zu verlieren. Mit dieser Haltung zieht er sich bald die Verachtung seiner Männer zu, allen voran die des knallharten Sergeanten Dougnac. Und je länger Terriens Kommando dauert, desto schwieriger wird es für ihn, angesichts der allgegenwärtigen Grausamkeiten seine moralische Position zu halten ...

Der Hollywood-erfahrene Regisseur und Drehbuchautor Florent Emilio Siri ("Hostage - Entführt", "Das tödliche Wespennest") inszenierte dieses äußerst realistische Schauerstück, das jegliche Kriegshandlung aufs Schärfste moralisch verurteilt. Wenn man bedenkt, dass im französischen Kino die Beschäftigung mit dem Algerienkrieg (1954-1962) lange Zeit ein Tabuthema war, ist dieses Werk umso erstaunlicher. So brauchte Meisterregisseur Jean-Luc Godard ganze drei Jahre, um seinen Politthriller "Der kleine Soldat" (1960) die französische Zensur passieren zu lassen. Oder aber die Geschichte von Gillo Pontecorvos algerisch-italienischer Koproduktion "Schlacht um Algier", die drei Jahre nach Ende des Krieges bei den Filmfestspielen von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Was die wenigsten wissen: die französische Delegation boykottierte die Preisverleihung und die Ausstrahlung des Films wurde auf französischem Staatsgebiet verboten. Erst in jüngster Zeit entstanden Werke, die sich mit diesem dunklen Kapitel der französischen Kolonialgeschichte und seine gesellschaftlichen Auswirkungen auseinandersetzten, so etwa das Drama "Schulfeinde", das Krimidrama "Der Oberst und ich", das Kriegsdrama "Der Verrat" sowie die gesamte Eingangssequenz des Kinoknüllers "Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt". "L' ennemi intime", so der Originaltitel, hieß auch eine mehrteilige Dokumentation von Ko-Autor Patrick Rotman, deren Ausstrahlung im März 2002 hohe Wellen schlug. Der französische Staat erklärte erst 1999 den Konflikt als Krieg. Zuvor nannte man den Algerienkonflikt lediglich "bloße Operation zur Wiederherstellung der Ordnung".

Foto: ARD/Degeto