Französisch Westafrika 1938: Polizist Lucien (Philippe Noiret, Foto, mit Isabelle Huppert) lebt in einem lausigen Kaff und ist für alle der Dorftrottel. Seine Frau Huguette betrügt ihn vor seinen Augen mit dem stumpfsinnigen Nono, vor seinem Schlafzimmer errichtet der reiche LePeron eine öffentliche Latrine, zwei Zuhälter schmeißen ihn in den Matsch, Polizist Chavasson aus dem Nachbarort tritt ihm gern und häufig in den Hintern, und selbst die Affäre mit der strohdummen Rose bietet Lucien wenig Freude. Bis er es leid ist und mit derselben Tranigkeit wie immer anfängt, den Saustall aus zu misten ...

Bertrand Taverniers rabenschwarzer Kolonialkrimi ist einer der bösesten Filme, die je gedreht wurden. Doch diese Satire darf nicht als Verteidigung der Selbstjustiz mißverstanden werden. Das arme Schwein Lucien hat an einem gewissen Punkt wirklich keine andere Wahl mehr, als seine Widersacher umzubringen oder gegeneinander auszuspielen. Doch dieses Ausmisten erscheint nicht als Akt der Befreiung, sondern als höchst schmerzlicher Prozeß auch für den erniedrigten Lucien. Taverniers Film ist zwar eine hochmoralische Reflexion über gewichtige Themen wie Schuld und Sühne, doch dabei ist er außerordentlich komisch, wenngleich der Humor einen starken Einschlag ins Zynische erhält. Durchweg phantastisch ist die Besetzung: Philippe Noiret als Killer mit Bernhardinerblick, Stéphane Audran als zickige Gattin, Eddy Mitchell als ihr hirntoter Bock, Guy Marchand als großspuriger Bulle, Isabelle Huppert als dümmliche Dorfschlampe und Jean-Pierre Marielle als arroganter Zuhälter - sie alle sind großartig.

Foto: Concorde