Ein Film über das Mysterium des Lebens am Beispiel verschiedener Personen, die das Schicksal eher zufällig zusammenführt: Ein Versicherungsgutachter in Brandfällen sorgt sich um seine obdachlos gewordenen Kunden wie um eine Familie, opfert auch seine Freizeit und steigt mit den Opfern der widrigen Umstände (egal ob Frau oder Homosexueller) ins Bett. Darunter leidet aber seine Familie. Die Ehefrau ist Zensorin, zeichnet heimlich die zu zensierenden Pornofilme für ihre Schwester per Video auf, wird schließlich von einem Kollegen erwischt, der gemeinsam mit seinem Chef nun sexuelle Zuwendungen von ihr erwartet. In diese Welt des mehr oder weniger nebeneinander herlebenden Ehepaares tritt eine seltsame Gestalt, die vorgibt ein Regisseur zu sein. Dieser dubiose Mann will angeblich ihr Haus, eine Modell-Wohnung eines großen, pleite gegangenen Bauprojektes, als Örtlichkeit für einen Film verwenden. Tatsächlich aber befriedigt er mit seiner Lebensgefährtin lediglich obskure Obsessionen der Lust...

Manchmal an David Lynch oder Pedro Almodóvar erinnernd, zeigt Egoyan in seinem mehrfach preisgekrönten Werk glaubwürdig dargestellte Versatzstücke über Absudridäten eines Alltags, trübe Tage von Durchschnittsbürgern. Das erste Mal begegnet der Betrachter dem wunderlichen, obsessiven Paar in einer überfüllten Straßenbahn: Er hat sich als völlig heruntergekommener Landstreicher verkleidet, sie setzt sich neben ihn und führt seine verdreckte Hand eindeutig zwischen ihre Schenkel und betrachtet derweil die entsetzten, angewiderten Gesichter der anderen Fahrgäste. Ein weiteres Mal sieht man das Paar in einem gemieteten Football-Stadion, die Frau spielt Cheerleader und gibt sich einer halben Mannschaft hin. Egoyan greift Tabus auf, ohne sie tatsächlich zu durchbrechen, wagt einiges, hätte aber noch rigoroser bzw. konsequenter sein müssen, um vollständig zu überzeugen. Trotzdem ein spannendes und ungewöhnliches Stück Kino!