Die böhmische Hauptstadt Prag in den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts: Der mittellose Student Balduin verkauft sein Spiegelbild für viel Geld an den geheimnisvollen Wucherer Scapinelli, um endlich auch am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Schon bald verliebt er sich in eine Komtesse, die jedoch einem Baron versprochen ist. Als es zum Streit kommt, entwickelt Balduins Spiegelbild, das ihn weiterhin begleitet hat, ein zerstörerisches Eigenleben …

Das aus Düsseldorf stammende Multitalent Hanns Heinz Ewers (1871-1943), er feierte Erfolge als Schriftsteller, Filmemacher und Kabarettist, inszenierte zusammem mit dem dänischen Regisseur Stellan Rye 1913 mit diesen Stummfilm zwischen Drama und Geistergeschichte einen der ersten Kunst- und Autorenfilme überhaupt. Nach eigenem Buch inszeniert und mit dem deutschen Filmpionier Paul Wegener ("Der Golem, wie er in die Welt kam", "Das Weib des Pharao", "Die Weber") in der Hauptrolle des Balduin prominent besetzt, schrieb der Liszt-Schüler Josef Weiss eine Originalmusik, die sich als Klavierauszug erhalten hat und die zu den ersten Originalmusiken der Filmgeschichte gehört. "Der Student von Prag" war nicht nur im Kino erfolgreich, sondern auch Exportschlager und begründete den Weltruf des deutschen Stummfilms. Einzigartig waren seinerzeit auch die Bilder des Chemnitzer Kameramanns Guido Seeber ("Geheimnisse einer Seele"), der mit mit Mehrfachbelichtungen die Doppelgänger-Aufnahmen realisierte, die Kritik wie Publikum in Staunen versetzten. Da die Originalfassung des Filmes nicht erhalten ist, wurden eine umgeschnittene Wiederaufführungsfassung von 1926 sowie englischsprachige Export-Kopien genutzt, um 1987 eine erste Urfassung zu rekonstruieren. Der neuesten digitalen Rekonstruktion des Filmmuseums München fehlen gegenüber der Zensurfassung von 1913 nur noch zwei Minuten Länge, was etwa 50 Metern Film entspricht.

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