Im Jahre 1924 erregt ein Kriminalfall in Hannover großes Aufsehen in der deutschen Öffentlichkeit. Der Kaufmann Fritz Haarmann gesteht, 24 junge Männer getötet und ihre Leichen zerstückelt zu haben. Den Vorwurf des Kannibalismus weist er zurück. Professor Dr. Schulze soll das psychiatrische Gutachten schreiben und die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit von Haarmann klären. Im August 1924 beginnen die Untersuchungen ...

Regisseur Romuald Karmakar geht in seinem Film das Wagnis ein, auf jegliche Schauwerte zu verzichten. "Der Totmacher" spielt ausschließlich in einem einzigen kargen Raum, die Handlung reduziert sich ganz auf die Befragung. Alle Dialoge wurden dem Original-Befragungsprotokoll entnommen. Dabei hat sich Karmakar nicht damit begnügt, einfach abzuschreiben. Er benutzt das Originalmaterial quasi als Steinbruch, fügt die einzelnen Passagen neu zusammen und bringt sie in andere, dramaturgisch sinnvolle Zusammenhänge. Trotz seiner Radikalität wurde "Der Totmacher" ein respektabler Kinoerfolg. Das liegt sicherlich auch an den herausragenden Darstellerleistungen, wobei Jürgen Hentsch immer zu Unrecht im Schatten des mächtig aufdrehenden Götz George stand. Ihm gelingt als zwischen Hass, Abscheu und Mitleid hin- und hergerissenen Psychologen die unauffälligere, aber mit Sicherheit nicht schlechtere Leistung. Der Film erhielt drei Filmbänder in Gold, den Coppa Volpi bei den Filmfestspielen in Venedig für Götz Georges Darstellung des Fritz Haarmann, und wurde für den Oscar nominiert.

Foto: WDR/SWR