Als im August 2006 bekannt wurde, dass Literaturnobelpreisträger Günter Grass als 17-jähriger zur Waffen-SS gehörte, sorgte dies national wie international für großes Aufsehen und reichlich kontorverse Diskussionen. Der Dokumentarfilm – von Grass in den meisten Sequenzen selbst kommentiert - zeichnet das Leben des Schriftstellers, Bildhauers, Malers und Grafikers nach, ohne auch nur eine einzige Archivaufnahme zu benutzen. So erzählt Grass über seine Danziger Jahre, wenn er seine Geburtsstadt besucht, er spricht über sein politisches Engagment und sein künstlerisches Verständnis. Zeitlicher Rahmen ist dabei die die Fertigstellung, Veröffentlichung und Diskussion seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel".

Das Regieduo Nadja Frenz und Sigrun Matthiesen hat den virulent unbequemen Günter Grass zwei Jahre mit der Kamera begleitet. So reisten sie mit dem Schriftsteller nach Göttingen, in sein Atelier nach Behlendorf, nach Danzig, Hamburg, Lübeck, Paris, Berlin, in den Jemen, nach Warschau und schließlich zur Buchmesse nach Frankfurt, auf der er "Beim Häuten der Zwiebel" vorstellte. Immer wieder eingestreut: Interviewausschnitte mit langjährigen Kollegen und Weggefährten wie Hans Magnus Enzensberger oder Salman Rushdie, die ihre Sicht über Günter Grass beisteuern. Fazit: ein sehr persönliches, nie zudringliches Porträt eines streitbaren Mannes, der auch im Alter immer noch mit seinen intelligenten und scharfzüngigen Aussagen sowie seinem enormen Arbeitseifer fasziniert.

Foto: Salzgeber