Als am 2. Juli 1900 im seinerzeit k.u.k. Lemberg (heute Ukraine) Leopold Weiss geboren wurde, ahnte niemand, dass aus dem Sohn eines jüdischen Elternhauses einst einer der bedeutendsten islamischen Autoren seiner Zeit werden sollte. Bereits in den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts trat Weiss auf einer Palästinareise zum Islam über. Er nahm den Namen Muhammad Asad an und reist, fasziniert von der Spiritualität dieser Religion fernab des westlichen Materialismus, auf einem Kamel durch die Wüste nach Mekka. Danach studierte Asad den Koran, lebte lange Jahre als Berater am Hof des saudischen Königs und arbeitete 17 Jahre an seiner richtungsweisenden Übersetzung des Koran. Außerdem gehörte er zu der Bewegung zur Gründung des pakistanischen Staats und vertritt Pakistan bei den Vereinten Nationen in New York. Und damit war Muhammad Asad noch lange nicht am Ende seines Weges angekommen.

Der österreichische Dokumentarfilmer Georg Misch ("Calling Hedy Lamarr") begab sich hier auf die Spurensuche nach dem heute nahezu vergessenen Muhammad Assad, besuchte die Orte, an denen sich der 1992 im spanischen Andalusien verstorbene Theoretiker, Schriftsteller, Diplomat und Journalist aufhielt, befragte Zeitzeugen und zeigt immer wieder Ausschnitte aus seinen Schriften. Asad, der seinen Werdegang in seinem 1956 erschienenen Buch "Der Weg nach Mekka" dokumentierte - Regisseur Misch bezieht sich vielfach auf dieses Werk - war ein aufgeklärter Muslim, der den Dialog zwischen dem Islam und dem Westen fördern wollte, sich aber mit seinen liberalen Ansichten nicht durchsetzen konnte. In seinen letzten Lebensjahren zog er sich verbittert zurück und kommentierte seine Beziehung zum Islam folgendermaßen: "Uns wurde mit dem Koran die beste Leitlinie gegeben. Und mit dem Propheten der beste Führer – und was haben wir daraus gemacht? Wir sind heute das Allerletzte. Wir. Ich sage immer wir, denn ich kritisiere die Gemeinschaft, weil ich sie so liebe." Asad war ein Mann zwischen den Welten, der nie versuchte, "die Verknöcherung der Mohammed-Religion in der Gegenwart zu vertuschen", wie einst schon Der Spiegel urteilte. Mischs Regiearbeit ist deshalb auch ein wichtiger, nachdenklich machender Beitrag zu der heute immer wichtigeren Debatte des Verhältnisses der westlichen Welt zum Islam.

Foto: mindjazz pictures (Arsenal)