Die Ehe von Lisa und Fedja ist zerrüttet. Er will dem Glück seiner Frau, die den gemeinsamen Freund Viktor liebt, nicht im Wege stehen, doch die russisch-orthodoxe Kirche lässt eine Scheidung nicht zu. Der sogenannte Scheidungsspezialist Artemjew bietet Fedja jedoch einen Grund an, den selbst die Kirche akzeptieren muss: Ehebruch vor Zeugen. Angewidert von der Gesellschaft und seinem eigenen Leben, sieht Fedja jetzt nur den Ausweg, sich zu erschießen und damit Lisa und Karenin die Ehe zu ermöglichen. Da lernt Fedja in einer Kneipe den Maler Petuschkow kennen, der ihn vom Selbstmord ebenso abhalten will wie das Zigeunermädchen Mascha. Sie ist es auch, die ihm vorschlägt, den Selbstmord nur vorzutäuschen, unterzutauchen und fortan in den Asylen das Dasein eines "lebenden Leichnams" zu führen. Mit Hilfe eines Leichenfundes und einer oberflächlichen Identifizierung gelingt zunächst die Täuschung: Lisa und Karenin heiraten. Doch da wird Fedja von einer Dirne und Artemjew erkannt und denunziert, da er sich weigert, den reichen Karenin zu erpressen. So hat sich Fedja umsonst geopfert. In der Pause des Bigamie-Prozesses erschießt er sich mit einem Revolver, den ihm Petuschkow zugesteckt hat.

Wie kaum ein anderes Filmwerk unseres Jahrhunderts beleuchtet "Der lebende Leichnam" den Facetten-Reichtum der europäischen Film- und Theaterkultur unseres Jahrhunderts. Das seinerzeit populäre Drama (1911) von Tolstoi bot die Vorlage für eine internationale Produktion in der Regie von Fedor Ozep (1895 - 1949), der in Deutschland vor allem durch seine Dostojewski-Adaption "Der Mörder Dimitri Karamasoff" (1931; mit Fritz Kortner) bekannt geworden ist; der spätestens seit "Die letzten Tage von Sankt Petersburg" (1927) und "Sturm über Asien" (1929) weltbekannte Regisseure, Cutter, Filmtheoretiker und Schauspieler Wsewolod Pudowkin (1893- 1953) spielte die Hauptrolle.