Die 3970 Meter hohe Eiger-Nordwand im Berner Oberland ist selbst bei denen, die die Wand nur aus dem Fernsehen und von Postkarten kennen, so präsent wie die Niagarafälle, die Pyramiden oder ähnliche "Weltwunder". Sie ist ein touristischer Magnet für Menschen aus der ganzen Welt, ein Ort alpiner Kuriosa, dramatischer Rettungsaktionen und tragischer Todesfälle, vor allem aber bergsportlicher Höchstleistungen: Die fast 1800 Meter senkrecht abfallende Wand in der wetterunsicheren Nordseite ist selbst für erfahrene Bergsteiger-Profis eine echte Herausforderung. So auch 1966 für den US-Bergsteiger John Harlin II, der dir Direktbesteigung durch die "Mordwand" wagte. Der seinerzeit 30-jährige war wegen seiner atemberaubenden Besteigungen und der Gründung der International School of Mountaineering in Leysin bereits eine Legende. Er sollte die Besteigung nicht überleben, ein Seilriss liess in fast 1200 Meter senkrecht in die Tiefe stürzen - vor den Augen von Journalisten, die ihn mit Fernrohren beobachteten.

Über 40 Jahre später trat John Harlin III in die Fußstapfen seines berühmten Vaters, begleitet von Regisseur Stephen Judson und dessen Team. Harlin III, Herausgeber des renommierten American Alpine Journal, dokumentiert weltweit neue Bergrouten und hat schon mehrere Bücher über Berge und Bergsteigerei geschrieben und herausgegeben. Vor der überwältigend schönen Kulisse der Alpen erzählt der Dokumentarfilm eine Geschichte von außergewöhnlichem Mut. Der Zuschauer begleitet die Crew bei einer Fahrt im Glacier-Express in atemberaubender Höhe mit Zwischenstopps in bezaubernden Bergdörfern. Außerdem erlebt er einen Bungee-Sprung vom Verzasca-Staudamm und hat natürlich die seltene Gelegenheit, die triumphale Durchsteigung der gefürchteten und zugleich verehrten Eiger-Nordwand mitzuerleben. John Harlin III hat die Geschichte seiner Familie und sein Verhältnis zum Eiger in dem Buch "Die Wand aller Wände" festgehalten.

Foto: Fantasia Film