Über einen Freund erfährt die Adelige Hélène, dass ihr Liebhaber, der Marquis Jean, sie nicht mehr liebt. Dem Schein nach trennen sich die beiden zwar im Guten, heimlich jedoch sinnt die gekränkte Hélène auf Rache. Als sie in einer Tanzrevue eine junge Frau entdeckt, die offensichtlich ihre körperlichen Reize nutzt, um sich ihr Leben zu finanzieren, schmiedet Hélène einen perfiden Plan: Sie bietet der jungen Frau einen Ausweg aus der Armut und die Einführung in gehobene Gesellschaftskreise, wenn die Prostituierte Jean verführt - und ihm so durch ihren zweifelhaften Ruf öffentlich Schaden zufügt...

Regisseur Robert Bresson ("Das Geld") erteilte in seinen Werken – und besonders in diesem – allen Regeln des Filmemachens eine radikale Absage. So geriet dieses Stück über Passionen, Kämpfe und Tod sehr ernst. Nach einer Episode aus Denis Diderots Roman "Jacques der Fatalist und sein Herr" (1771) war dieses Drama die dritte Zusammenarbeit zwischen Robert Bresson und Jean Cocteau, den Bresson mit professionellen Schauspielern realisierte. Als solcher markiert "Die Damen vom Bois de Boulogne" zugleich den Beginn von Bressons eigentlicher Karriere, die sich durch einen unverkennbaren eigenen Stil auszeichnete. So ist das Werk bereits von einer naturalistischen Inszenierungsweise und einer psychologisierenden Dramaturgie geprägt, die formal auf die von Bresson später noch verfeinerte Kunst der radikalen Reduktion auf das Wesentliche, der Offenlassungen und Andeutungen voraus weist.