Vor mehr als 2000 Jahren erfand der griechische Philosoph Sokrates eine Methode, sich des eigenen Wertesystems bewusst zu werden, die "Sokratischen Gespräche". Einfache Fragen, bei denen die eigene Lebenserfahrung ins Allgemeine abstrahiert wird, decken das eigene Wertesystem auf. Einsicht aus erster Hand war die Devise von Sokrates. Was aber passiert, wenn man Schwerverbrecher mit dieser Methode konfrontiert? Im Jahr 2000 ließ sich die Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel als einziges Gefängnis weltweit auf dieses Experiment ein. Viel erfolgreicher als Gespräche mit Sozialarbeitern und Psychologen führen die sokratischen Gespräche bald zu einer Veränderung, zur Entdeckung der eigenen Bedürfnisse, Sorgen und Ängste ...

Das Filmemacher-Duo Silvia Kaiser und Aleksandra Kumorek hat ein Jahr in Berlin-Tegel gedreht und die Gefangenen bei ihren Gesprächen mit der Kamera begleitet. So nahm etwa der Auftragsmörder Gaston, der Raubmörder Rainer, sowie die beiden wegen Drogendelikten verurteilten Gordon und Stefan an den Gesprächen teil. Diese sind durchaus aufschlussreich und lassen tatsächlich einen anderen Blick auf die Motive und Lebenseinstellung der Schwerverbrecher zu, als er üblicherweise geboten wird. Warum diese interessanten Dialoge aber immer wieder von Stillleben des Berliner Knasts, die das Gefängnis geradezu als Idylle erscheinen lassen, durchbrochen werden, bleibt wohl das Geheimnis der Filmmacherinnen. Denn ein Knast kann keine Idylle sein!



Foto: RealFiction