Julien hat sich zwar als Uhrmacher auf Glockenspiele spezialisiert, verdient aber dennoch kaum genug zum Lebensunterhalt. Um sich und seine Katze durchzubringen, erpresst er eine Antiquitätenhändlerin, die Fälschungen verkauft. Als er dann eines Tages die schöne Marie kennenlernt und sie gar bei ihm einzieht, merkt er schnell, dass irgend etwas nicht mit ihr stimmt. Zwischen fiebrig-lustvollem Verlangen und kühler Distanziertheit stellen sich bei ihr Phasen ein, in denen sie sich völlig zurückzieht und ein Dachzimmer des Hauses seltsam dekoriert...

In traumhaften und traumatischen Bildern schildert Jacques Rivette eine dramatische wie kuriose Liebesgeschichte. Hier vermischen sich gekonnt Traum und Realität, Vergangenheit und Gegenwart. Angefüllt mit symbolischen Bildern entwickelt sich eine packende, erotische und überraschende Story einer hoffnungslosen Liebe. "Die Geschichte von Marie und Julien" ist nach "Die schöne Querulantin" die zweite Zusammenarbeit von Rivette und der schönen Emmanuelle Béart. Die Rolle des Julien besetzte der Regisseur erneut mit Jerzy Radziwilowicz, der auch schon die Hauptrolle in dessen Kriminalfilm "Geheimsache" spielte. Interessantes am Rande: In den Siebzigerjahren hatte Rivette "Die Geschichte von Marie und Julien" als Teil einer Tetralogie geplant, die den Arbeitstitel "Töchter des Feuers" trug. Nachdem er 1976 den zweiten und dritten Teil gedreht hatte ("Unsterbliches Duell" als Fantasy-Thriller und den Western "Nordwestwind"), begann er mit "Marie und Julien", einer Liebesgeschichte mit Leslie Caron und Albert Finney. Doch am dritten Drehtag erschien Rivette nicht mehr am Set und blieb über zwei Jahre verschwunden. Später sagte er, dass er von den ersten beiden Drehs zu erschöpft war, um "Marie und Julien" zu realisieren.

Foto: Flax Film