Mümmelmannsberg ist eine Neubausiedlung der 1970er-Jahre am Rande von Hamburg. Zu Beginn lebten dort 12000 Menschen, weitere 12000 sollten in den nächsten Jahren zuziehen. Ein Team des Norddeutschen Rundfunks hatte sich von Juli bis Oktober 1976 in einer Zwei-Zimmer-Wohnung eingemietet, um von dort aus "Expeditionen" zu unternehmen: zu den Nachbarn im Mietshaus, das zu zwei Dritteln leer steht, in die Straßen des Viertels, überall dorthin, wo sich Menschen treffen ließen und treffen lassen wollten. An der Tür im Parterre des Hauses der Max-Pechstein-Straße 8 hing ein Schild: "Klingeln Sie mal bei uns. Kommen Sie doch rein." Wo sich das Fernsehteam mit Hansjürgen Rosenbauer als neuem Mieter vorstellte, herrschte Verwunderung: "Wo alle ausziehen, ziehen Sie hier ein? Sie wollen wohl unsere Gebühren verschleudern?"

Doch Mümmelmannsberg ist keine "Horrorstadt", ist eher besser geplant als viele andere Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus. Die Leute von Mümmelmannsberg sind Menschen wie es sie auch anderswo gibt. Ihre Geschichte wird in diesem Film erzählt, genauer gesagt, die Geschichte von einigen Hauptfiguren. Sie stehen stellvertretend für viele andere und für das Leben in diesem und ähnlichen Vierteln. Unter ihnen sind der arbeitslose Jugendliche, die Familie, die sich durchbeißen muss, zwei Rentner und ihr Kreis. Alle diese Lebensgeschichten, aufgenommen in einem Zeitraum von drei Monaten, ergaben sich durch zufällige Begegnungen im Mietshaus, auf den Straßen, in der einzigen Kneipe des Viertels oder in den Zentren für Jugendliche und Alte. Nichts war gestellt, alles vorgefunden. Horst Königstein und Hansjürgen Rosenbauer haben versucht, die Wirklichkeit dieser Leute abzubilden.

Foto: NDR/Horst Königstein