Zunächst wundert sich der Augenarzt über Patienten, die wie aus dem Nichts blind werden. Als er dann das gleiche Schicksal erleidet, wird klar, dass eine Art Virus umgeht. Um die Epidemie nicht unkontrolliert ausarten zu lassen, beschließt die Regierung, alle Betroffenen in einem ehemaligen Krankenhaus zu internieren. Die Frau des Arztes geht als einzige sehende mit ins Krankenhaus. Hier merken die Insassen bald, dass sie völlig auf sich allein gestellt sind und schon bald entwickeln sich die seltsamsten Machtstrukturen: Die Bewohner eines Flügels spielen sich als Häuptlinge auf, verlangen Wertsachen für die Essenausgabe und als die schließlich ausbleiben, sollen die Frauen mit ihren Körper bezahlen...

Die Intention von Regisseur Fernando Mereilles ("City of God", "Der ewige Gärtner") wird schnell klar: Wird den Menschen die Würde genommen, schleichen sich bald archaische Machtverhältnisse ein. Diese Allegorie funktioniert aber nur bedingt. Denn zu viele Unwahrscheinlichkeiten, unglaubwürdige Verhaltensweise usw. nerven auf Dauer gewaltig. Daran mangelte es aber schon in der Literaturvorlage von Nobel-Preisträger Jose Saramago, die auch mehr von der poetischen Sprache als tatsächlich von der Handlung lebt. Die lyrische Sprache allerdings konnte Mereilles in seinen Film nicht integrieren. So bleibt er weit hinter seinen bisherigen Werken zurück.

Foto: Kinowelt