Wenn Touristen oder Nicht-Kölner die Hochburg des rheinischen Karnevals besuchen, wundern sie sich oft über prächtig geschmückte Fußgruppen mit Planwagen und Pferden, die trotz teilweise bitter-kalter Temperaturen und bei Wind und Wetter stundenlang - oft nur leicht bekleidet - jedes Jahr erneut Attraktionen der Kölner Karnevalszüge sind. Ob als Hunnen, Mongolen, Wikinger, Indianer oder Afrikaner verkleidet, die Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss. Doch nur die wenigsten wissen, dass die so genannten Kölner Stämme keine reinen Karnvalstrupps sind. Vielmehr treffen sich die Mitglieder der rund 80 Vereine über den Karneval hinaus in ihrer Freizeit, widmen sich der Herstellung aufwändiger Kostüme, Waffen und Zelte, campen in den Sommermonaten in Kölner Grünanlagen, um gemeinsam mit der Familie, Freunden oder Arbeitskollegen die Lebenswelten fremder Völker und vergangener Epochen nach zu spielen.

Ethnologin und Filmemacherin Anja Dreschke hat die Kölner Stämme über mehrere Jahre begleitet und zeigt in ihrem Dokumentarfilm das Gemeinschaftsleben, das von der gemeinsamen Passion bestimmt ist. Jedes Jahr ein Höhepunkt des Stammlebens: die Zeltlager mit opulent inszenierten Rollenspielen, mit denen etwa das Leben am Hofe Attilas oder Dschingis Khans in Szene gesetzt wird. Das geht sogar so weit, dass von den Vereinsschamanen für die anderen Mitglieder Initiationsrituale, Hochzeitsfeiern und manchmal sogar Beerdigungszeremonien durchgeführt werden. Kölner Brauchtum einmal ganz anders!

Foto: RealFiction