Einst teilten die Nazis die Menschen in unterschiedliche Kategorien. So fielen auch Kinder dem seltsamen Wertesystem der Rassenhygiene und der Eugenik zum Opfer. Unwertes Leben wurde meist direkt ausgemerzt, angeblich asoziale Kinder landeten als "unwertig" im Heim, um dort auch in den meisten Fällen der Tötung freigegeben zu werden. Dennoch haben einige dieser Kinder und Jugendlichen überlebt. Von ihnen erzählt diese fesselnde Dokumentation. So etwa die Geschichte von Waltraut, deren links-liberale Mutter ins KZ kam, so dass Waltraut samt Geschwister fortan im Heim aufwuchs. Günter wurde seine Affinität zur Swing-Musik zum Verhängnis – er kam ins Jugendkonzentrationslager, der uneheliche Richard wurde sogar zur Zwangsarbeit verdammt. Dies sind keinesfalls Einzelschicksale, denn die Nazi-Heim waren voll von "Unwertigen".

Renate Günther-Greene spürte einige der noch lebenden Opfer dieser Menschen verachtenden "Rassenpolitik" auf, porträtierte diese und zeigt gleichzeitig die gesellschaftliche Ohnmacht gegenüber den Opfern. Verständlich, dass diese auch nach 1945 unter dem Erlebten litten. Unverständlich, dass sich ihr Schicksal auch in der Bundesrepublik kaum änderte und die menschenunwürdige Politik fortgeführt wurde. Richard etwa ist jetzt ein Zeuge im aktuellen Petitionssauschuss der Heimkinderdiskussion des Bundestages. Eine Wiedergutmachung haben alle bis heute nicht erhalten.

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