Auf der kleinen französischen Atlantikinsel Saint-Pierre wird Mitte des 19. Jahrhunderts der Seemann Neel Auguste wegen Mordes zum Tod verurteilt. Allerdings gestaltet sich seine Hinrichtung komplizierter als gedacht, denn grundsätzlich dürfen Verurteilte aus humanitären Gründen nur von einem Scharfrichter oder mit der Guillotine hingerichtet werden. Und auf Saint-Pierre gibt es wder das eine noch das andere. So wird also im Mutterland eine der Enthauptungsmaschinen bestellt. Bis zu deren Eintreffen hilft Neel, der unter der Aufsicht von Kapitän Jean steht, dessen Frau Madame La bei kleineren Arbeiten, macht sich im Dorf nützlich und wird bald unentbehrlich. So flammt schließlich großer Protest auf, als die Guillotine eintrifft und Neel unters Fallbeil kommen soll ...

Nach seiner erfolgreichen Historienkomödie "Ridicule" griff Patrice Leconte mit "Die Witwe von Saint Pierre" eine dramatische Geschichte auf, die sich tatsächlich zugetragen hat. 2001 für den Golden Globe als bester nicht englischsprachiger Film nominiert, konnte Lecontes Arbeit diesen Preis zwar nicht gewinnen (man unterlag gegen Ang Lees "Tiger & Dragon", doch sehen lassen kann sich dieses Werk jederzeit. Toll besetzt mit Juliette Binoche als Madame La, Daniel Auteuil (mit dem Leconte im gleichen Jahr auch "Die Frau auf der Brücke" drehte) als ihr etwas weltfremder Mann Jean und schließlich Regisseur Emir Kusturica als Mörder Neel Auguste, erzählt Leconte diese ungewöhnliche Geschichte mit einigen technischen Finessen (so etwa die lange Rückblende, die erklärt, warum Madame La zur Witwe wird), wunderbaren Bildern und viel Liebe zum Detail.

Foto: arte F/Pathé Distribution