Eine verlassene Wohnung in Tel Aviv. Langsam lichtet sich die stickige Luft in der Wohnung der mit 98 Jahren verstorbenen Gerda Tuchler. 70 Jahre hat sie hier - nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten 1937 - mit ihrem Mann Kurt gelebt. Über die Jahre haben sie nie etwas weggeworfen und alle Relikte aus ihrer Vergangenheit aufbewahrt. Bei der Wohnungsauflösung muss Arnon Goldfinger mit seiner Mutter Hannah feststellen, dass seine Großeltern offensichtlich eine dunkle Vergangenheit hatten. In ihren Hinterlassenschaften finden sie die NS-Hetzschrift "Der Angriff". In der Ausgabe befindet sich ein Artikel "Ein Nazi fährt nach Palästina", geschrieben von Baron Leopold von Mildenstein, Kommandant des SS-Judenreferats. Nach und nach stellt sich heraus, dass die Tuchlers offensichtlich mit den von Meilensteins befreundet waren - und das bis über den Zweiten Weltkrieg hinaus.

Der Dokumentarfilm-Regisseur Arnon Goldfinger ("The Komediant") begibt sich mit seiner Mutter Hannah auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Goldfinger erzählt den Film aus einem persönlichen Blickwinkel - und plötzlich ist man nicht mehr nur Zuschauer, sondern mitten im Geschehen. Ein dokumentarischer Krimi um die Freundschaft zwischen dem jüdischen Richter Kurt Tuchler und dem früheren Vorgesetzten von Adolf Eichmann, Leopold von Mildenstein. Die deutsch-israelische Koproduktion wurde in der Kategorie bester Dokumentarfilm mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.



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