Dona Regina, 65, lebt an der Copacabana, dem weltberühmten Strandviertel von Rio de Janeiro. Das klingt aufregend, ist für Regina in Wahrheit aber eher trist. Ihr Mann hat sich von ihr getrennt, mit ihrem Sohn hat sie Streit, ihr kleiner Hund ist auch kein rechter Ersatz für menschliche Gesellschaft. Regina langweilt sich. Um ein bisschen Abwechslung in ihren Alltag zu bringen, arbeitet sie, wie etliche Senioren, als Informantin für die örtliche Polizei. Darum hält sie zunächst in der Nachbarschaft die Augen offen, achtet auf falsch geparkte Fahrzeuge und leichtsinnige Fußgänger. Als ihr das zu wenig Aufregung bereitet, verlegt sie sich auf härtere Sachen. Sie jagt nach Taschendieben und was sich sonst noch so an verdächtigen Gestalten auf den Straßen herumtreibt. Eines Nachts beobachtet sie aus ihrer Wohnung heraus mit dem Fernglas, wie ein Mann im Haus gegenüber offensichtlich seiner Frau eine Spritze gibt, wenig später ist die Frau tot ...

Drehbuchautor Marcos Bernstein ("Central Station") feierte mit "Die andere Seite der Straße" ein überzeugendes Regiedebüt auf den Spuren von Alfred Hitchcocks "Das Fenster zum Hof". Brasiliens große Diva Fernanda Montenegro, die ebenfalls durch Walter Salles' "Central Station" bekannt wurde, glänzt hier in der Rolle der Dona Regina. Vollkommen zu Recht wurde sie für ihre brillante darstellerische Leistung für den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in einem Drama und als erste brasilianische Schauspielerin überhaupt für den Oscar nominiert.

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