"Castle Bravo" heißt die Bombe, die die Amerikaner am 1. März 1954 im Südpazifik nahe des Bikini-Atolls zur Detonation bringen. Erwartungsgemäß soll diese erste Wasserstoffbombe der USA die Kraft von fünf Millionen Tonnen TNT produzieren. Im Vergleich dazu: Die Hiroshima-Bombe brachte eine Sprengkraft von 12.000 Tonnen auf. Als der große Feuerball ausbricht, weiß das Testteam sofort, dass etwas völlig schief gelaufen ist. Statt der fünf Megatonnen werden sogar 15 Megatonnen Explosionskraft freigesetzt. Die Explosion verdampft drei komplette Koralleninseln, während sie deren Asche 100.000 Fuß hoch in die Luft wirbelt. Die Asche driftet ab und regnet auf Hunderte von Menschen auf benachbarten Inseln herab und hinterlässt einen giftigen Abdruck auf einer Grundfläche von 7.000 Quadratmeilen. Das sowjetische Bomben-Programm erreicht seinen Höhepunkt am 30. Oktober 1961 mit einer Bombe namens "Zar", die über der nordeuropäischen Insel Nowaja Semlja explodiert und für deren Entwicklung auch der spätere Dissident und Friedensnobelpreisträger Andrei Sacharow mitverantwortlich war. Bei 50 Megatonnen setzt sie in einer Nanosekunde das Zehnfache der Energie frei, die im gesamten Zweiten Weltkrieg von explosiven Stoffen freigesetzt wurde. Die Druckwelle der Explosion geht dreimal um die Welt. Wie waren die Sowjets in der Lage, die größte Bombe aller Zeiten zu zünden und warum in der Nähe von Ballungszentren in Nordeuropa? Amerika wählte den Pazifik als Testgelände, weil es das am dünnsten besiedelte Gebiet der Erde ist. Und selbst dort gab es tödliche Konsequenzen, als "Castle Bravo" sicher geglaubte Grenzen überschritt. Nowaja Semlja liegt nur etwa tausend Meilen nördlich von Moskau. Im Jahr 1963 vereinbarten die beiden Supermächte schließlich Waffenabrüstungsgespräche, um solche massiven Tests in Zukunft zu verbieten.