Ein Dutzend Lastwagen pendelt täglich zwischen Berlin und der polnischen Kleinstadt Gryfino hin und her. Dort steht, gleich neben dem Kraftwerk, von dem der heiße Dampf bezogen wird, die deutsche Wäscherei "Fliegel". 400 polnische Mitarbeiter sorgen hier zu niedrigen Löhnen und rund um die Uhr dafür, dass die Container aus Berlin innerhalb von 24 Stunden mit sauberer Wäsche gefüllt zurück in der deutschen Hauptstadt sind. Kunden sind viele Berliner Nobelhotels, dessen Gäste wohl eher nicht wissen, welche Reise die frischen Laken und Handtücher ihrer Zimmer hinter sich haben, wenn sie jeden Morgen gegen die angefallene Schmutzwäsche ausgewechselt werden.

Regisseur Hans-Christian Schmid ("Nach fünf im Urwald", "23", "Crazy") zeigt in seinem von einem Zeitungsartikel inspirierten Dokumentarfilm drei Generationen von Frauen, die im polnischen Gryfino die dreckige Wäsche aus Deutschland im Akkord waschen. Ähnlich wie Susan Gluth in ihrer Doku "Wasser und Seife" nähert er sich behutsam seinen Protagonistinnen, zeigt sie bei der mühevollen Arbeit, aber auch privat mit ihren Familien und allen ihren Träumen, die sie sich mit ihrem - für westliche Verhältnisse - bescheidenen Lohn erfüllen wollen. Schmid lässt hier allein die Bilder und seine Hauptdarstellerinnen sprechen, Kommentare findet man hier nicht. Allerdings stellt sich hier wie bereits bei "Wasser und Seife" die Frage: Werden sich die Zuschauer diesen Film im Kino anschauen?

Foto: Bogumil Godfrejów/23/5 + RBB/ARTE