Das Dolpo im Nordwesten Nepals an der Grenze zu Tibet gehört zu den abgeschiedensten Gegenden der Welt. Umgeben von den Gebirgsketten des Himalaya hat sich im Dolpo eine archaische buddhistische Kultur erhalten: Ohne Elektrizität, ohne moderne Kommunikationsmittel und ohne chinesische oder indische Assimilation ist es heute weit tibetischer als Tibet selbst. Sherap Sangpo war ein gewöhnlicher Hirtenjunge im Dolpo. Als 10-Jähriger - nach einer Begegnung mit dem Dalai Lama – beschloss er, Mönch zu werden und ging in ein Kloster nach Kathmandu. Dort veränderte sich sein Leben dramatisch: Er wurde als Reinkarnation eines hochstehenden Lamas, eines Dolpo Tulku erkannt und für 16 Jahre zur Ausbildung ins Exil nach Südindien geschickt. Trotz hartem Klosteralltag war es für ihn eine glückliche Zeit. Heute doziert er dort selbst – führt ein nahezu weltliches und auf den ersten Blick auch westliches Leben mit Laptop und Mobiltelefon. Aber er ist berufen: Er muss zurück, als Dolpo Tulku in der fremd gewordene Heimat den zutiefst religiösen Menschen als Oberhaupt vorstehen ...

Filmemacher Martin Hoffmann hat den Dolpo Tulku auf seiner Heimreise begleitet. Auf der wochenlangen Wanderung - das Dolpo ist ausschließlich zu Fuß erreichbar und mehrere über 5000 Meter hohe Pässe müssen überwunden werden - beobachtete Hoffmann den Triumphzug, zu dem sich die Wanderung entwickelte. Überall wurde der Dolpo Tulku mit Respekt und Zuneigung begrüßt. Doch auf ihn warten große Aufgaben: Die Bewohner erwarten nicht nur spirituelle Unterstützung, sondern die Region braucht Schulen, Krankenhäuser, Altersheime. Gedreht in atemberaubenden Landschaften vermittelt Hoffmann ein differenziertes Bild einer Religion, die sich - vielleicht nicht ohne Grund - global einer stark wachsenden Faszination erfreut.

Foto: Piffl