Paris, 1975: Im sechsten Stock eines heruntergekommenen Hauses im Stadtteil Belleville lebt Madame Rosa (Myriam Boyer, Foto) mit ihren Waisenkindern zwischen Nutten, Transvestiten, Afrikanern und Arabern. Die ehemalige Prostituierte, die das Konzentrationslager von Auschwitz überlebt hat, kümmert sich voller Fürsorge um die Kinder. Unter ihnen ist auch der 14-jährige Mohammed, kurz Momo genannt, der einst von seinem Vater bei Madame Rosa abgegeben wurde. Als sich der gesundheitliche Zustand von Rosa zusehens verschlechtert, tut Momo alles, um ihr zu helfen ...

1975 veröffentlichte der bis dahin unbekannte Autor Émile Ajar den Roman "La vie devant soi", der noch im gleichen Jahr mit dem bedeutendem französischen Literaturpreis "Prix Goncourt" ausgezeichnet wurde. Und bereits zwei Jahre später entstand die erste Verfilmung mit Simone Signoret ("Madame Rosa"), die 1978 den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film erhielt. 2010 schließlich nahm sich die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Myriam Boyer ("Série Noire", "Zu schön für Dich!") der Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft an, die 1980/1981 für einigen Wirbel in den Medien gesorgt hatte. Denn nach dem Tod des Schriftstellers, Diplomaten und Piloten Romain Gary (1914-1980, "Der längste Tag") stellte sich heraus, dass dieser unter dem Pseudonym Émile Ajar den Roman verfasst hatte und somit bis heute der einzige Mensch ist, der zweimal mit dem "Prix Goncourt" geehrt wurde, der normalerweise nur einmal pro Person verliehen wird. Traurig: Gary, der in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Jean Seberg verheiratet war, konnte den Selbstmord seiner Ex-Frau nie verwinden. Ein Jahr nach ihrem Tod erschoss sich Romain Gary in Paris.

Foto: arte F/Cinétévé