Wenn die Küche zum Knast wird: Witwer Chu (Sihung Lung, Foto) ist einer der besten Küchenchefs in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Jedes Wochenende lädt er seine drei unverheirateten Töchter zum Dinner. Für die jungen Damen allerdings wird die Tafel zur Tortur. Sie brennen allmählich darauf, das Nest zu verlassen. Am schlimmsten dran ist Jia Jen. Die 30jährige hatte vor zehn Jahren eine herbe Enttäuschung in der Liebe. Nun fürchtet sie, als alte Jungfer zu enden. Die emanzipierte Jia Chien arbeitet bei einer Fluglinie und würde gern dem Maitre de Cuisine einige Geheimnisse entlocken. Ja Ning, die Jüngste, schaltet dagegen voll auf Protest. Sie jobbt in einem Fast-Food-Restaurant. Als Chu eines Tages erklärt, er werde heiraten, kommt endlich Leben in die Bude.

Normalerweise gibt's andere Fernsehkost aus Fernost. Da hüpfen Jungs mit Todeskrallen, Schwertern und anderen bizarren Mordinstrumenten hysterisch-kreischend über die Leinwand, hauen unter Einsatz sämtlicher Extremitäten reihenweise schlappe Gegner um und fühlen sich anschließend wie King Louis, wenn die mandeläugige Prinzessin ihnen ein Küsschen auf die Wange haucht. Regisseur Ang Lee hat trotz Namensähnlichkeit mit Karate-Krawallo Bruce Lee derlei nicht im Sinn. In "Eat Drink Man Woman" schildert er einfühlsam das Leben in seiner Heimat Taiwan - mit Ritualen und Konventionen, dem Generationskonflikt und den Problemen des Alltags zwischen Tradition und Moderne. Weil Ang Lee selbst begeisterter Hobby-Koch ist, gestaltete er auch "Eat Drink Man Woman" zum kulinarischen Augenschmaus.

Foto: ZDF/Central Motion Picture Corporation