Was tun, wenn man seit einem Jahr kein Engagement mehr hatte, von der Freundin verlassen wurde, mit einer sensiblen Künstlerseele geschlagen ist und unbedingt Shakespeares "Hamlet" spielen will? Man leiht sich Geld, inszeniert das Stück auf eigene Kosten und engagiert eine skurrile, aber hoffnungsvolle Darstellertruppe, die in der Zusammenarbeit eine (letzte?) Chance wittert. Genau das tut Joe, der sich mit dem Geld seiner wohlwollenden Agentin Margaretta und sechs mehr oder weniger exzentrischen Schauspielern und sehr viel Verve auf den wehrlosen Shakespeare stürzt, wobei jeder eine andere Vorstellung von dem hat, was alle anstreben: Kunst.

Kenneth Branagh, Shakespeare-Verwerter Nr. 1 des englischen Kinos, drehte 1995 mit seinem sechsten Spielfilm zugleich den ersten, bei dem er nicht selbst in einer Hauptrolle vor der Kamera stand. Sein schwarzweißes Theatermärchen ist eine Hommage an den schwierigen Beruf des Schauspielers - und an Shakespeare, der selbst den Angriff einer entfesselten Dilettantentruppe auf seinen "Hamlet" ohne Schaden übersteht. Branagh drehte nach der teuren "Mary Shelleys Frankenstein"-Produktion hier mit geringem Budget und abgesehen von "Denver"-Biest Joan Collins mit unbekannten Schauspielern.