Berlin 1941. Die Werkstatt des Bürstenherstellers Otto Weidt gilt bei Berliner Juden, die in "kriegswichtigen" Betrieben Zwangsarbeit leisten, als gute Adresse. Weidts irritierend enge Kontakte zur Gestapo und regelmäßige Bestechungen bieten ihm den Spielraum, seine Angestellten zumindest in den Räumen der Werkstatt vor den alltäglichen Herabwürdigungen zu schützen. "Papa Weidt" wird er von allen genannt. Zu den wenigen Nicht-Blinden in der Werkstatt zählt Alice Licht, eine hübsche junge Frau aus gutbürgerlichem Haus. Mit Witz, Charme und Organisationstalent wird sie bald zu Ottos rechter Hand. Doch die beiden verbindet mehr als die Arbeitsbeziehung. Otto ist verheiratet, kein Jude, Ende 50 und fast blind; Alice, Jüdin, glatte 40 Jahre jünger und voller Pläne für ein eigenes Leben. Beide sind vom selben Schlag. Schnell begreift Alice Ottos kompliziertes System aus legalen Geschäften, Schiebereien und Gefälligkeiten und erweist sich als kaum weniger einfallsreich als er selbst ...

Nach der wahren Geschichte des Otto Weidt (1883-1947) und der Drehbuchvorlage von Heike Brückner und Jochen von Grumbkow setzte Filmemacher Kai Christiansen ("Der Unwiderstehliche", "Alles auf die Siebzehn") dieses packende wie gut gespielte Dokudrama in Szene, das auch auf den Erinnerungen der Journalistin Inge Deutschkron, der einzigen noch lebenden ehemaligen Angestellten Weidts, basiert. An das Wirken des aus Rostock stammenden Bürstenfabrikaten, der mehreren jüdischen Mitbürgern das Leben rettete, erinnert heute nur noch das "Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt" in Berlin-Mitte und die israelische Ehrung als "Gerechter unter den Völkern".

Foto: NDR/Vincent TV/Beate Waetzel