Die hoffnungsvolle Karriere des Boxtalents Charly Graf, geboren am 16. November 1951 im sozialen Brennpunkt Mannheim-Waldhof als unehelicher Sohn einer ungelernten Arbeiterin und eines schwarzen US-Soldaten, endet in Kriminalität und Haft. In der Justizvollzugsanstalt Stammheim lernt er als Mitinsassen den RAF-Terroristen Peter-Jürgen Boock kennen. Zwischen den beiden unterschiedlichen Männern entwickelt sich eine Freundschaft, die Grafs Leben entscheidend verändert. Er beginnt nicht nur, sich für Literatur zu interessieren, sondern versucht, an seine Laufbahn als Boxer anzuknüpfen. Gegen Gesetze und Vorurteile gelingt es ihm, zum ersten und einzigen Mal in der deutschen Justizgeschichte, sich als Häftling bei einem offiziellen Boxwettkampf anzumelden und die Meisterschaft zu gewinnen. Allerdings verliert er nur wenige Monate später aufgrund einer heftig umstrittenen Entscheidung, die heute allgemein als Fehlurteil gilt, seinen Titel ...

In seinem Dokumentarfilm "Ein deutscher Boxer" folgt Eric Friedler ("Aghet - ein Völkermord") einer deutschen Ausnahmebiografie. Friedler zeigt den als "Cassius Clay vom Waldhof" gefeierten Sportler als nachdenklichen und geläuterten Menschen, der aus den Fehlern seines Lebens gelernt hat und seine ganze Kraft nun in die Jugendarbeit der Stadt Mannheim investiert. Am Ende dieses außergewöhnlichen Films wird Charly Graf doch noch Gerechtigkeit widerfahren - von einer Seite, von der er es nie erwartet hätte ...

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