Widerwillig lässt sich Ferdinand Griffon (Jean-Paul Belmondo, Foto) von seiner Frau zum Besuch einer Party seines Schwiegervaters überreden. Gelangweilt verlässt er schon bald wieder die in Werbespruchblasen miteinander redenden Partygäste. In seiner Wohnung trifft er zu seinem Erstaunen als Babysitter seine frühere Freundin Marianne Renoir. Seines komfortablen, doch eigentlich öden Lebens überdrüssig, nimmt Ferdinand seine alte Affäre wieder auf, um kurz darauf in eine mysteriöse Mordgeschichte verwickelt zu werden. Überstürzt verlässt das Paar Paris in Richtung Süden. Auf einer Mittelmeerinsel verschwindet Marianne spurlos. Wenige Wochen später findet Ferdinand sie in Toulon mit einem anderen Liebhaber wieder, der sein Geld mit undurchsichtigen Waffengeschäften zu verdienen scheint. Noch einmal lässt sich Ferdinand von Marianne zu einer gefährlichen Aktion überreden ...

Auch Godards zehntem Spielfilm sieht man die Begeisterung für den amerikanischen film noir an: ein Liebespaar auf der Flucht, auf einer unentrinnbaren Reise in Verrat, Rache, Tod. Doch zeigten die filmischen Vorbilder der Vierziger und Fünfzigerjahre noch eine hermetisch abgeschlossene Welt, zerlegt Godard sein filmisches Universum systematisch in skurrile Erzählfragmente und Handlungszitate. Die Geschichte bricht in unzählige kleine, sich ineinander spiegelnde Erzählungen auf. Die Hauptfigur Ferdinand - erneut Jean-Paul Belmondo - bewegt sich zwischen den Geschichten, zitiert laut aus ihrer jeweiligen Lektüre und muss sich regelmäßig gegen eine andere Identität, einen anderen Rollennamen wehren: Marianne nennt ihn nur "Pierrot". Wo es aber nicht mehr nur die eine Geschichte gibt, die das Leben abbilden kann, wird das Verhältnis zwischen Kunst und Realität neu definiert.

Foto: Kinowelt