Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, April 1945: Die Alliierten stossen immer weiter nach Deutschland vor. Im bayerischen Mühldorf-Mettenheim, ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, beschließen die Nazis, die etwa 4000 Häftlinge zu evakuieren, um die vor den anrückenden Amerikanern zu verbergen. Fünf Tage lang sind die Menschen in dem sogenannten "Todeszug" unterwegs - ohne Nahrung und Getränke. Unter ihnen ist auch der seinerzeit 17-jährige Luis Sneh, der am 30. April 1945 in Seeshaupt am Starnberger See von den Amerikanern befreit wird.

Filmemacher Walter Steffen hat Luis Sneh, der nach seiner Befreiung nach Amerika ging und sich in Kalifornien eine neue Existenz aufbaute, 60 Jahre später auf einer Zugfahrt nach Seeshaupt begleitet. Sneh erinnert sich an das Leiden im Lager, an Hunger, Krankheit und Tod in den Waggons, an Zwischenfälle in Poing, München, Beuerberg und schließlich an die Befreiung in Seeshaupt. Doch nicht nur Sneh kommt zu Wort, sondern auch Dr. Max Mannheimer, der mit Typhus und hohem Fieber in einem der Waggons lag - und dennoch überlebte. Darüber hinaus berichtet Steffen von der Plünderung des Dorfes, die die Amerikaner den ausgehungerten KZ-Häftlingen erlaubt hatten. Seinerzeit herrschten für mehrere Tage Anarchie und Chaos, die Bevölkerung wurde hautnah mit dem Schrecken des Holocaust konfrontiert. Der Film erzählt aber auch, wie diese Ereignisse in Vergessenheit gerieten, bis der Seeshaupter Arzt Dr. Uwe Hausmann mit seinem Antrag auf Errichtung eines Mahnmals im Jahre 1994 im Gemeinderat Erfolg hatte und dadurch in dem Dorf am Südende des Starnberger Sees eine hitzige Kontroverse zwischen Mahnmalbefürworten und Gegner auslöste. Steffen gelang ein eindrucksvoller kleiner Film gegen das Vergessen.



Foto: Konzept+Dialog